»2. Klaviertrio -- DWV 52
Für mich - wie ich in meiner Arbeit immer bereits zum Start in dem Schlamm und den Untiefen der menschlichen Seele herumwühle - war diese Beschäftigung mit Haydn wirklich eine große Herausforderung!
Sein Lebensstil mit meinem verglichen:
Er - ein bezahlter Kapellmeister in einer anderen Zeit
Ich - eine alleinerziehende Mutter in einer von Klingeltönen dominierten Zeit - was kann da entstehen was nicht nur aus dem Hirn und der Überlegung sondern auch und vor allem aus dem Herzen kommt?
Geblieben ist die Form. Klaviertrio
Ja - und hoffentlich irgendwo auch eine Brücke - eine winzige Verbindung zu diesem Genie Haydn der in einer fast anderen Welt genau so wie ich heute sein Bestes gab:
Die Einleitung meines Klaviertrios fängt harmlos an. Fast zu harmlos.
Eigentlich nichts als Liegetöne.
Gegen Ende entpuppt sich diese Harmlosigkeit als der nackte Wahnsinn. Ein musikalisches Wortgefecht der einzelnen Stimmen. Ein rasender Schlagabtausch. Das Hauptthema kehrt tatsächlich erst gegen Ende wieder, dann aber in aller Deutlichkeit.
In der Durchführung - die ich auch bei Haydn so schätze - wird das Seitenthema in aller Vielfalt ausgekostet. Im Fluss musikalischer Ideen.
Dazwischen: Viele Fragen teils beantwortet, teils unbeantwortet und auch übertönt, verhöhnt und überstimmt.
Aufgelockert wird das ganze durch eine kurze musikalische Bemerkung die sich wie eine schüchterne Infragestellung einer übertriebenen Ernsthaftigkeit gegenüber durch das ganze Werk zieht.«
(Johanna Doderer)