»Ah! Haydn
Meine leidenschaftliche Anziehung zu Haydns Musik entstand durch die Klaviersonaten in meiner Kindheit, als ich vom Blatt lesen konnte. Viel später kam die Offenbarung der Quartette (Op. 20, 76, 77...), der Oratorien (das außergewöhnliche Chaos von der Schöpfung !...), der Messen (Nelson, In Tempore Belli...), der Symphonien...
Ja, ich hatte tatsächlich eine Menge Haydn im Kopf, als ich an meinem Trio zu arbeiten begann. Ich wusste auch, dass die Wahl schwierig sein würde.
Nach langem Zögern entschied ich mich dazu, ein einsätziges Trio zu dem Thema des letzten Satzes aus der „Londoner“ Symphonie zu schreiben; jenes, das mich schon seit Jahren wegen seiner freimütigen Einfachheit, seines seltsamen Orgelpunktes, verfolgt hatte und welches heute sogar noch reicher an Tonhöhen- und Rhythmuspotential scheint.
Folglich griff ich sofort die Schlüsseltöne A G D E als eine Art Cantus firmus auf. Das Anfangspräludium ist eine Träumerei zu diesen 4 Tönen, die durch das Stück hindurch in verschiedenen Gestalten immer wiederkehren. Der folgende schnelle Teil konzentriert sich auf die eher zwanghaft rhythmischen Motive dieses Themas und durch die Betonung dieses Aspekts erreicht es mehr und mehr einen Punkt wo die Tonhöhe sich sozusagen dem Rhythmus ergibt. Aber das ist nur vorübergehend. Beide Komponenten gewinnen bald ihren gerechten Platz zurück und das Thema wird einige Male wieder wachgerufen, bevor es losgelassen wird und davon fließt ... wie durch die Erinnerung verschluckt.
Ah! Haydn«
(Betsy Jolas)