»Torso VI.
Wenn man sich einem Komponisten solcher Größe annähert, sich mit seinen Werken beschäftigt und gar anfängt, sich in eine seiner Lieblingsbesetzungen hineinzudenken, besteht die Gefahr, ungewollt, unbemerkt Gefangener seines Duktus zu werden.
Eine wichtige Erkenntnis für mich bei dieser Arbeit war, wie sehr sich doch die Kraft des Beharrens auf das Eigene, auf den eigenen Duktus und das eigene Material gegen den intervenierenden Impuls, gegen die zwingende Dominanz dieser ansonsten gar nicht so unangenehmen Gefangenschaft, durchzusetzen versucht.
Mein bewusstes-unbewusstes Beharren ließ mich trotz des starken, in vielerlei Hinsicht prägenden Haydnschen Stimulus, auf einige meiner kompositorischen Leitstränge nicht verzichten, wie beispielsweise die linear-polydimensionale Strukturierung, kleinmotivische Arbeit, heimische Gestik und vor allem die bruchstückhafte Handhabung und die strenge linear-energetische Durchgestaltung der Großform, die auf das Torso-Prinzip zurückzuführen sind.
So hat das Widmungsstück in meiner „Torso“- Reihe seinen Platz gefunden und reflektiert, eingebettet in diese persönliche Umgebung, Haydnsche Reizmomente wie den Umgang mit kontrastierend-blockhaften, klar konturierten Feldern, Spiel mit Tiefenschärfe und mit überraschenden formalen Assymetrien...«
(Márton Illés)